7 Tage Overland Track auf Tasmanien (Tag 5)

16.10.2008 Autor: - in Reisen & Tours - keine Kommentare

Heute liegen wieder nur 10 km vor mir, bis zur Windy Ridge Hut, der vorletzten Huette des Tracks. Das Wetter ist strahlend schoen, und vor allem, es ist trocken. Wooo-hoo! Abstecher gibt es heute zwei kuerzere, die zu 3 verschiedenen wasserfaellen fuehren. ich nehme mir alle drei vor.

In dem Wissen, dass die Strecke heute kurz sein wird, faellt es mir schwer, um halb sieben den Schlafsack zu verlassen. Letztendlich laufe ich erst um halb zehn los.

Das Laufen faellt heute so leicht wie an keinem anderen Tag zuvor. Anscheinend hat sich mein Koerper jetzt an die Anstrengung gewoehnt. Ich komme zuegig voran. Der Weg fuehrt in etwa eben durch wunderschoenen gruenen moosigen Wald. Am ersten Abzweig lasse ich meinen Rucksack stehen und laufe durch den Wald bergab. Von unten kommt mir die super family entgegen und raet mir, erst den rechten Wasserfall zu nehmen, dann den linken. Ich befolge ihren Rat. Das rauschen der „Fergusson Falls“ ist schon von Weitem zu hoeren. Ploetzlich stehe ich davor und bin gebannt. So viel wasser kommt da runter! Einen so grossen Wasserfall habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen! Man kann direkt an der Kante stehen, in die Schlucht hinunterblicken, es gibt keinen bloeden Zaun oder Gelaender. Hier ist man weit weg von den Massenbesuchern (und Japanern mit Fotoapparaten), es ist Natur pur.

Der linke Wasserfall, die „D’Alton Falls“, sind noch schoener. Wow! Statt eines einzigen grossen Falls platscht hier ein Teil des Wassers stufenartig, aber doch sehr steil, ueber mehrere Felsen hinweg hinab ins Tal. Mir gefaellt er besser als der erste, ich stehe am Rand der Schlucht, hoere das rauschen des wassers, fuehle die kuehle, frische feuchte Luft. Ich koennte laenger hier bleiben!

Oben am Rucksackabstellpunkt ist gerade Opa Hoppenstedt angekommen, der hier auf seine „langsamen“ Toechter warten wird. Er macht sich mit seinem Billy auf in den Wald, um Wasser fuer seinen morning tea zu holen, und um zu schauen, was der Busch „sonst noch so zu bieten“ hat. Vielleicht wieder ein paar Eukalyptusblaetter fuer den Tee wie am Tag zuvor…?

Ich laufe weiter durch den schoenen Wald. Teilweise ist der Boden sehr schlammig. Schliesslich gelange ich an den naechsten Abzweig, der zu den „Hartnett Falls“ fuehrt. Wiedser stelle ich meinen Rucksack ab und laufe los. Erst steige ich in die Schlucht hinab, um den Bach von Nahem zu sehen und den Wasserfall von unten im Ganzen. Dann klettere ich wieder hinauf und stelle mich direkt neben die Kante, ueber die das Wasser nach unten stuerzt. Ein Wahnsinns-Gefuehl und – blick! Es geht direkt senkrecht hinunter.

Von Kilometern her habe ich schon die Strecke halb geschafft, allerdings muss ich noch ueber den Du Cane Gap hinueber, bevor es zur Windy Ridge Hut hinabgeht. Der Weg stegt maessig-angenehm an, doch mit dem grossen Rucksack wird auch das bald anstrengend. Eine halbe Stunde spaeter stehe ich auf dem Pass, neben mir ragt die Du Cane-Range auf.

Nach einer weiteren halben Stunde maessigen Bergabs sehe ich die Huette: kein, und mitten im Wald gelegen. Ich bin alleine dort, gehe hinein, und esse Mittag. Meine Wanderstiefel lasse ich an, ich spiele mit dem Gedanken, weiterzulaufen, da es erst 15 Uhr ist und ich irgendwie keine Lust habe, den Nachmittag in der Huette zu verbringen.

Bis zur naechsten Huette, der Narcissus Hut, waeren es nochmal 9 km, und das waere dann schon die letzte Huette, am Lake St Clair gelegen. Ich bin sehr unentschlossen. Nach und anch kommen mehr Wanderer an, und ich ueberlege, was ich machen soll, und lese die letzten Eintragungen im Huettenlogbuch. Dieser Willi Schroeder, der immer einen Tag Vorsprung hatte, ist heute erst hier durchgekommen! Dann faellt mein Entschluss: ich werde weiterlaufen.

Die ersten Schritte nach dieser doch recht langen Pause sind etwas steif und staksig, aber bald ist wieder alles geschmeidig gelaufen. Es ist 15.45 Uhr, und ich weiss, dass ich erst spaet an der naechsten Huette ankommen werde. Trotzdem laufe ich los.

Nach einer Dreiviertelstunde stehe ich am Abzweig zum Pine Valley, die Haelfte des Weges ist geschafft. Ich mache eine knappe Stunde Pause, dann geht’s weiter. Der Weg ist eben und wunderschoen. Ich geniesse die Natur, morgen werde ich wieder halbwegs in der Zivilisation sein. Wie wird das wohl sein? Toiletten mit Spuelung, Duschen, Autos, Laerm?

Die Zeit fliegt dahin, ploetzlich stehe ich an einer schmalen Haengebruecke. Von hier ist es nur noch eine Viertelstunde bis zur Huette. Es darf immer nur eine Person gleichzeitig hinueberlaufen, fuer mich ja kein Problem:-) Das stille wasser unter der Bruecke funkelt im Sonnenlicht. Ich blicke zurueck auf die Berge, auf den Wald. Irgendwie scheint diese Bruecke den Abschied von der Wildnis zu symbolisieren und den Weg in die moderne Welt einzuleiten. So etwas technisch konstruiertes habe ich die letzten fuenf Tage nicht gesehen.

Eigentlich ist es eher ein Haengesteg. Ich laufe hinueber, er schwankt bedenklich, und ich ueberlege, wie schwer diese eine Person sein darf…

Die letzten 15 Minuten laufe ich abwechselnd durch Buttongrass-Ebenen und durch Wald.
Schliesslich sehe ich die Huette – und mein Herz macht einen Freudensprung: sie ist „wilder“ und „unzivilisierter“ als gedacht – genauso wie die anderen Huetten entlang des Tracks! Vor der Huette sitzt die super family und begruesst mich froehlich. Ich setzt mich ebenfalls vor die Huette und koche Abendessen. Es ist sehr friedlich. Nur 5 Meter entfernt hopst ein Pademelon herum und frisst, und sein kleines joey beugt sich weit aus dem Beutel heraus.

Morgen werde ich mit der Faehre ueber den See fahren und die Wildnis endgueltig hinter mir lassen…

    

Themenverwandte Artikel

Kommentare (+)

Noch keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!

Kommentar abgeben

Name
E-Mail
Website
Kommentar
 
 

Themen auf Australien-Blogger

Alle Infos zu Work&Travel Australien Preisvergleich für Campervans Australien

Beiträge suchen

Air BNB Banner

Persönliche Empfehlungen

Nach vielen Jahre in Australien habe ich einige Firmen und Personen kennengelernt, die sich darauf spezialisiert haben, Australien-Fans weiterzuhelfen und dies in meinen Augen besonders gut tun. Hier meine persönlichen Empfehlungen zu den Themen...
Inlandsflüge-billiger.de Kreuzfahrten Preisvergleich - Cruisehero.de Lingoking-Banner
  • admin - Eigtl. ist Australien-Blogger ja keine Jobbörse ;) aber wer weiß vlt. liest ja ein interessierter Restaurant-Besitzer deinen Beitrag und meldet ...
  • Uwe - Ich würde mich gerne mal informieren Bin Koch seit über 30 Jahren für die traditionelle deutsche Küche Speziell für schmorren ...
  • paul kerschke - Hallo, ich würde gerne in einem deutschsprachigem Rundfunk-oder Fernsehen einen Aufruf starten. Mein größter Wunsch wäre es,das Land kennen zu lernen,indem ...
Jetzt ist es offiziell: Wir sind anerkannter...


die höchste Auszeichnungsstufe von Tourism Australia.
Diese Website verwendet Cookies - mehr Infos & Opt-Out Möglichkeiten unter Datenschutzerklärung