Australien – ein besseres Europa?

03.07.2011 Autor: - in Auswandern, Leben & Alltag - 13 Kommentare

Dass mir die deutschen Medien Australien viel zu klischeehaft und abenteuerlich übertrieben beschreiben (und mich das mittlerweile total ankotzt) habe ich ja in vielen Blogposts bereits erwähnt. Gerade aus diesem Grund lese ich quasi keine Artikel über Australien mehr, die in klassischen deutschen Medien zu finden sind. Es sei denn, es handelt sich um einen Artikel, der versucht Australien in einem kritischen Licht zu beleuchten und beabsichtigt Australien nicht nur als typisches Traumland für den depressiv-trotzigen Deutschen darzustellen.

Zwar sagt Dr Hartwich in seinem Artikel „Australien – ein besseres Europa?“ auch, dass Australien als Einwandererland vieles richtig macht, aber er basiert seinen Vergleich mit Europa auf historischen Ereignissen, bei dem man den ein oder anderen Fakt über Australiens Geschichte dazulernen kann.

„Australien und Europa, das ist eine lange Geschichte von Analogien und Kontrasten. Wer als Europäer das ferne Australien besucht, ist zunächst überrascht von der Vertrautheit des dort Vorzufindenden. Das Gefühl, in Australien Neuland zu betreten, stellt sich erst später ein.“

Da kann ich ihm nur zustimmen. Das wahre Australien, das viele Touristen nie zu Gesicht bekommen, versteckt sich nämlich an Orten fernab vom Touripfad, in Gemeinden und Gemeinschaften des ländlichen Australiens und im Pragmatismus und der Laissez-Fair Attitude der australischen Gesellschaft.

„Dass Australien heute als multikulturelles Vorbild gilt, verdankt es wiederum seinen nationalen Grundeigenschaften Egalitarismus und Pragmatismus. Als die Öffnung des Landes beschlossen war, wurde ganz pragmatisch darauf geachtet, dass die Einwanderer zu Australien passen und sich in seine Gesellschaft einfügen. Sprachkenntnisse und Berufsabschlüsse wurden verlangt, ein Punktesystem regelte die Auswahl. Waren die Einwanderer aber erst einmal in Australien, wurden sie schnell akzeptiert und integriert. Der australische Historiker John Hirst schreibt, es sei unvorstellbar, dass italienische Einwanderer bei ihrer Ankunft im britischen Dover als «neue Engländer» bezeichnet worden wären. In Australien jedoch gab die Bundesregierung für die Zuwanderer nach dem Zweiten Weltkrieg die Bezeichnung «New Australians» aus.“

Dr. Hartwich trifft mit fast jeder Feststellung den Nagel auf den Kopf. Jeder, der sich mal die Frage gestellt hat, wieso Australien eigentlich so europäisch, aber doch ganz anders ist, sollte sich den Artikel auf jeden Fall durchlesen. Kommentare und Ansichten dazu sind willkommen und fänd‘ ich sehr interessant. :)

    

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Kommentare (+)

K. Brach schrieb am 04.07.2011:

Hi Dorothee,

interessant, wie unterschiedlich die Meinungen doch sein koennen. :) Der kurze Artikel hat meiner Meinung nach die Klischees der Massenmedien nicht einfach so wiedergegeben, sondern geht zurueck in die Vergangenheit und versucht zu erklaeren, wieso Australien doch so aehnlich, aber doch wieder anders als Europa ist.

Er erwaehnt doch VB und Kakadus nicht im Sinne einer Trauminsel als Touriziel, sondern versucht nur die Unterschiede und Verbindungen zu Europa recht sachlich zu verdeutlichen. Seine Argumente findet er in der Geschichte und z.B. in den aktuellen Fakten und Zahlen der Einwanderungspolitik und des wirtschaftlichen Erfolgs.

Ich persoenlich finde, dass der Text 10 Mal mehr den Unterschied zu Europa erklaert, als irgendwelche Artikel, die mit „In der Mittagspause zum Surfen“ betitelt sind, um dadurch bei den Deutschen nur weitere Klischees und Stereotypen, die einfach nicht stimmen, hervorzurufen.

Gr auch aus Melb,

Kai

Dorothée schrieb am 04.07.2011:

Hi Kai

Zu dem genannten Artikel gibt es eine Menge zu sagen.

Der Verfasser hat den Beitrag sicher geschrieben, um hier in Australien zu gefallen. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema Australien hat nicht stattgefunden. Man findet in dem Artikel ja eher eine Aufzählung von den bekannten Klischees. Victorian Bitter, Pragmatismus, Kakadus?!

Ich habe den Artikel auch am Freitag gelesen und stimme mit so ziemlich wirklich nichts überein. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten der Artikel ist total misslungen. Alleine die Überschrift „Australien – ein besseres Europa?“ könnte ganz einfach durch „Stachelbeeren – doch leckerer als Erdbeeren?“ ersetzt werden.

Schöne Grüße aus Melbourne!
Dorothée

Elke schrieb am 06.07.2011:

@Dorothee
Das klingt ja ganz schoen verbittert. Was hast Du denn alles fuer schlechte Erfahrungen gemacht?

Dorothée schrieb am 06.07.2011:

Hi Kai, cool, dass jeder die Dinge anders empfindet, so bleibt es interessant :-)

Hi Elke, kann keine verbitterte Stelle ausmachen, in meiner Anwort. Sachlich betrachtet hat der Verfasser den Beitrag sicher geschrieben, um hier in Australien zu gefallen. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema Australien findet nicht statt.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Florian schrieb am 12.07.2011:

Schöner Artikel und schöne Kommentare :-) Es sind schon ein paar Wahrw Sachen dran. Aber ob sie mit den Erfahrungen der Einwanderer übereinstimmen ist fraglich das merkt man ja an den Kommentaren hier :-)
Ich war ein halbes Jahr in Australien und musste feststellen, dass man zwar schnell aufgenommen wird, aber vieles nur oberflächig ist. Ich würde mich nie als Auswanderer bezeichnen sondern doch eher vielleicht als Touri mit etwas mehr Erfahrung. Trotzdem kann ich sagen, dass schon einige mir bekannte Menschen nach Australien ausgewandert sind. Viele sagen, dass sie eben nicht so herzlich aufgenommen wurden. Aber ausschliesslich alle würden nie wieder ins eigene Land zurückkehren wollen :-)
Das ist schon erstaunlich :-)

Christian schrieb am 20.07.2011:

also, der artikel titel klingt schon etwas, naja sagen wir mal provokant. was hat denn australien mit europa zu tun, ist doch was völlig anderes. oder wie genau kann man das erklären, dass du den titel so gewählt hast?

K. Brach schrieb am 20.07.2011:

Aehm… also wenn du den Artikel gelesen und verstanden hast, wird direkt klar, wieso er diese Ueberschrift gewaehlt hat. 😉

Karl schrieb am 12.12.2011:

alleine das fragezeichen dahinter erklärt doch schon alles 😉

Programmine schrieb am 15.02.2012:

Ich muss sagen, dass ich doch etwas verbluefft war wie der Author ueber eine erfolgreiche Einwanderung/Fluechtlingsstroeme in den 70er Jahren spricht.
Vor einigen Wochen zeigte SBS eine unglaublich interessante Dokumentation ueber Cabramatta (http://www.sbs.com.au/shows/onceuponatimeincabramatta), einem vietnamesischen Stadtteil ausserhalb von Sydney. Besonders dort und auch in vielen anderen Teilen, lief am Anfang so gut wie alles schief. Und auch heute streiten sich Politiker in Australien regelmaessig ueber die sog. „Boat people“. Ich glaube Australien ist in vielen Dingen wesentlich weiter, was das Multikulti Leben angeht, aber es gibt immernoch viele offene Fragen.

Programmine schrieb am 15.02.2012:

sorry, hier ist die erste Episode:
http://www.sbs.com.au/shows/onceuponatimeincabramatta/episodes/detail/episode/4509/season/1

Weltreise-Bjoern schrieb am 18.02.2012:

In Australien ist schon einiges anders als in Europa, aber sicher nicht alles besser. Allein das Thema Aborigines und der Umgang der weissen Australia damit hat mir garnicht gefallen.
In meinen Augen hat man ueberall Vorteile und Nachteile.

Willi schrieb am 21.02.2012:

Das nenne ich mal eine angenehme und kritische Haltung. Auch mich nervte es schon lange, dass nach dem USA-Hype vor circa 10 Jahren mittlerweile nur noch alle von Australien schwärmen – ohne dabei aber auch mal die Nicht-Touri-Ecken und die gesellschaftlichen Probleme zu betrachten.

Mazquerade schrieb am 15.05.2012:

Guten tag , ich suche seit langen eine Verbindung nach Australien , nur bisher konnte mir keiner wirklich meine fragen beantworten =)

es geht sich um eine auslandsstudium , möglichkeiten dafür usw,

ich bitte leute , die diesen schritt zur auswanderung schon getan haben , mich bitte per email anzuschreiben =D

lg René

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