Ayers Rock: Magische Momente am heiligen Berg

12.09.2018 Autor: - in Reisen & Tours - keine Kommentare

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Wanderung am Uluru
Die Erde scheint zu kochen. Das Thermometer hat die 40 Grad Marke überschritten, Schweiß bricht aus allen Poren. Heerscharen von Fliegen umschwärmen unsere Köpfe. Die lästigen Plagegeister steuern zielgerichtet in Augen, Nasen und Ohren.

Ich gehöre leider nicht zu den Glücklichen, die sich im Uluru-Kata Tjuta Cultural Center ein Fliegennetz für den Kopf gekauft haben. Blöd. Aber sei es drum, der Anblick hier ist jede verdammte Schmeißfliege wert. Vor uns liegt Ayers Rock. Oder „Uluru“, wie die Aborigines ihn nennen. Das Wahrzeichen Australiens wird jedes Jahr von mehr als 250.000 Touristen besucht. Man kennt den roten Felsen in der Wüste von so vielen Bildern und Filmen. Und doch ist es etwas ganz anderes, wenn man selbst im Outback steht und den heiligen Berg vor sich sieht.

Nur wenige Stunden zuvor hatte der Felsen vom Flugzeugfenster aus gar nicht so spektakulär gewirkt. Drei Stunden hatte der Flug von Sydney zum Connellan Airport am Ayers Rock gedauert. Drei Stunden klare Sicht auf eine Welt, die nicht von dieser zu sein scheint. Eher von einem fremden Planeten. Flache, ockerfarbene oder rötliche Flächen, Salzseen, mal eine schnurgerade Straße, keine Städte. Und dann diese seltsame Erhebung inmitten der Wüste, weiter nichts. Doch je näher sich unsere kleine Gruppe (der Anbieter bei dem wir gebucht haben heißt „The Rock Tour“, hauptsächlich Backpacker aus Deutschland und Korea, nun dem Ayers Rock nähert, umso mehr werden wir von ihm in den Bann gezogen. Auf einmal wirkt er alles andere als klein.

Wanderung bei 43 Grad Celsius

Weg am Uluru
Ken, unser Guide, kennt jede Geschichte über den Berg. Und er will uns nahe heranführen, ihn uns spüren lassen. So füllen wir unsere 1,5 Liter-Flaschen aus dem Wassertank in unserem Kleinbus auf, schnappen Kamera und Hut und machen uns zu Fuß auf den Weg durch die Bruthitze des australischen Sommers.

Unser Guide KenEine kleine Wanderung, ein paar Kilometer durch die Berge ist in Deutschland oder Österreich ein harmloser Spaß. Am Uluru kann ein solcher Trip tödlich sein, wenn man sich überschätzt, zu wenig Wasser trinkt, sich nicht vor der Sonne schützt. Der meist gesagte Satz in den nächsten zwei Stunden? – „Boah, ist das heiß hier!“

Manche Trails sind bereits gesperrt, weil die erlaubte Temperaturgrenze für sie über-schritten ist. Wir folgen Ken über Stock und Stein, bergauf, bergab, verfolgt von den Fliegen und umgeben von der dumpfen Hitze. Meine persönliche Komfortzone habe ich bei diesem Trip längst hinter mir gelassen. Und bin trotzdem froh, hier zu sein. Denn sind nicht dies die besonderen Erlebnisse einer Reise, die uns auch nach vie-len Jahren noch in Erinnerung bleiben? Sind nicht sie es, die uns zeigen, dass wir am Leben sind und unsere eigenen Grenzen überschreiten können? Wie viel besser ist es doch, ein solches Abenteuer selbst zu erleben, als träge vor der Glotze zu hängen und sich von den Erlebnissen anderer berieseln zu lassen…

Die Geschichte der Schlangenfrau

„Seht ihr den Felsen dort drüben?“ Ken zeigt auf eine seltsame Formation am Uluru. Alle nicken. Und können doch nichts anfangen mit der Laune der Natur, der eigenarti-gen Form, die den Teil des heiligen Berges hier besonders macht. Das ändert sich, als Ken zu erzählen beginnt. Er kennt unzählige Legenden der Traumzeit. Diesmal lässt er die Geschichte von Kuniya, der Schlangenfrau vor unseren Augen entstehen. Sie rächte den Tod ihres Neffen Kuka Kuka, der von den Liru-Menschen getötet wurde. Anschließend verließ sie ihren irdischen Körper und verband ihren Geist auf ewig mit dem Felsen. „Jetzt schaut nochmal hin. Könnt ihr die Form der Schlange jetzt im Felsen erkennen?“ Ken mustert uns gespannt und wir starren auf den Felsen, der sich vor unseren Augen in eine Schlange verwandelt.

Sunset am Uluru

Abendhimmel im Outback
Am späten Nachmittag finden wir uns am Sunset View ein – und sind natürlich nicht die einzigen. Ein Bus nach dem anderen biegt auf den Parkplatz ein. Tische werden herausgeholt, mit weißen Tüchern eingedeckt, Gläser und eisgekühlter Weißwein folgen. Der Sonnenuntergang soll stilvoll gefeiert werden. Bei uns geht es eher solide zu. Ken bereitet „Noodles with chicken and vegetables“ zu. Wir füllen uns jeder eine ordentliche Portion in zerkratzte Blechschüsseln und wer sich vorher nicht selbst mit Bier oder Wein eingedeckt hat, muss wieder auf den schnöden Wassertank zugreifen. Egal, viel wichtiger als Essen und Trinken ist der Uluru selbst. Wir knipsen ein Foto nach dem anderen, denn alle fünf Minuten leuchtet der rote Felsen eine Spur intensi-ver. Erst als die Sonne endgültig untergegangen ist, verblassen die Farben, hüllt sich Ayers Rock nach und nach in Dunkelheit.
Stockdunkel ist es auch, als wir am Abend den Campingplatz erreichen. Ken wirft uns die Swags vom Dach des Busanhängers zu und wir rollen sie direkt auf der sandigen Erde aus. Es ist immer noch über 30 Grad warm, da schlafen wir lieber gleich draußen, anstatt in einem stickigen Zelt. Wobei … der Gedanke an tödliche Spinnen, Schlangen und Skorpione kommt auf. Könnten die sich vielleicht zu uns in die Swags gesellen? Immerhin liegen wir ziemlich leicht bekleidet mehr oder weniger auf der Erde. Doch Ken winkt ab. „Macht euch keine Sorgen. Die wollen nichts von euch. Wenn ihr die Toiletten aufsucht, sollten ihr allerdings Schuhe anziehen, um im Dunkeln nicht aus Versehen auf ein Tier zu treten.“

Eine Nacht unter dem Kreuz des Südens

Unsere Bedenken halten sich sowieso in Grenzen, weil wir einfach viel zu kaputt sind, um lange darüber nachzudenken. Nach einer wohltuenden Dusche rollen wir uns zusammen und sind im Nu eingeschlafen. Zugedeckt nur von den Sternen. Wie Diamanten auf dunklem Samt funkelt über uns das Kreuz des Südens.
Phil Collins weckt uns um 4.45 Uhr. „Another night in paradise“ schallt in voller Laut-stärke durch das stockdunkle Outback. Ich bin froh, dass Ken nicht ACDC ausgesucht hat, um uns zu wecken. Verschlafen torkeln wir wieder in Richtung Waschhaus, dann wird alles schnell zusammengepackt und wir rauschen erneut ab: Richtung Uluru. Diesmal wollen wir den Sonnenaufgang am Felsen erleben – und dabei frühstücken.

Frühstück am Ayers Rock

Die Fliegen wollen auch frühstücken – Toast mit Marmelade und uns. Wenn diese heimtückischen Biester nicht so elendig penetrant wären, könnte man es hier ewig aushalten. Einfach nur dasitzen, Kaffee trinken und zusehen, wie die Sonne hinter dem Felsen immer höher steigt. Die Fliegen und Ken sorgen dafür, dass wir bald weiterfahren. ‚Beds Are Burning‘ von Midnight Oil schallt durch den Bus. Der Nr.1-Hit aus dem Jahre 1987 handelt von der Rückgabe von Land an einen Aborigines-Stamm. Erst kürzlich gelangte er erneut zu Ruhm: als Protest gegen die Politik von Donald Trump…
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Wanderung im Valley of the winds

Valley of the winds
Unser nächstes Ziel hat einen wunderschönen Namen: Valley of the Winds. Das Tal der Winde befindet sich bei den kuppelförmigen Kata Tjuta Bergen, gut 30 Kilometer vom Ayers Rock entfernt. Zweieinhalb Stunden kraxeln wir zwischen den roten Felsen, erklimmen steile Anhöhen, lauschen einmal mehr Kens Geschichten von der Traumzeit und lassen die Szenerie der roten Felsen auf uns wirken. Es ist still hier, im Valley of the winds. Kaum zu glauben, dass der Weg nur gut sieben Kilometer lang ist. Schon jetzt am frühen Morgen ist es wieder heiß – aber immerhin noch nicht so warm, dass der Weg für Wanderungen gesperrt wird. Wir rasten auf einer glatten Felsenkuppe und genießen eine Überraschung, die Ken für uns vorbereitet hat. Köstliche, in Viertel geschnittene Orangen geben uns neue Energie, um die uralten Sandsteinkuppeln weiter zu erkunden. So anstrengend die ganze Tour auch ist, am Ende sind alle traurig, als die heiligen Berge der Aborigines hinter unserem kleinen Bus zurückbleiben – ihre Magie werden wir nie vergessen.

Was ist erlaubt, was nicht?

Sonnenuntergang am Ayers Rock
Schon jetzt ist es nicht erwünscht, doch ab 2019 ist es ganz verboten, auf den Ayers Rock hinauf zu klettern. Damit kam die Verwaltung des Nationalparks Uluru-Kata Tjuta den Forderungen nach, die von den Aborigines schon seit vielen Jahren erhoben wurden. Mehr dazu kannst du in unserem ausführlichen Blogpost lesen „Klettern am Uluru verboten“.

Um den Berg wandern und die brillianten Sonnenauf- und Untergänge zu genießen ist aber selbstverständlich weiterhin erlaubt und verletzt auch nicht gegen den Glauben der Aborigines, ist also weiterhin problem- und bedenkenlos möglich 🙂

© Text & Fotos: Susanne Müller (Australien-Bloggerin)

Über die Autorin: Die Reisejournalistin und Bloggerin Susanne Müller ist ein absoluter Australien-Fan und auch Teil des Australien-Blogger Autoren-Boards. Unter ihrem Pseudonym Susan de Winter hat sie bisher zwei erfolgreiche Australien-Romane bei Amazon veröffentlicht: „Der Stein der Schildkröte“ und „Das Geheimnis der Traumzeit“.

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