Neuer Australien-Roman: Im Schatten des Zauberbergs

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Im Schatten des Zauberbergs
Anfang März 2020 reiste ich nach Australien, um dort für meinen dritten Australien-Roman und einige Magazin-Reportagen zu recherchieren. Doch meine Reise sollte schneller wieder zu Ende sein, als ich mir je hätte träumen lassen. Ein kurzer Aufenthalt in Sydney, eine Schiffsreise nach Tasmanien und plötzlich spielte die Welt verrückt. Alles drehte sich nur noch um Corona. Ich ergatterte noch einen Flug nach Hause – und schrieb meinen Roman ‚Im Schatten des Zauberbergs‘ trotzdem. Zum Glück hatte ich die Schauplätze des Buchs schon vor meiner Reise im Corona-Jahr besucht. Die Geschichte spielt in Sydney, in Perth und am Ayers Rock (Uluru).

Und darum geht’s im Roman

Auf dem Dachboden ihres Elternhauses entdeckt die 28-jährige Mia einen verschlossenen Koffer und findet heraus, dass ihre totgeglaubte Großmutter Marlene in Wahrheit verschollen ist. An einem stürmischen Novembertag im Jahre 1969 hatte sie sich mit ihrem Geliebten nach Australien abgesetzt. Mia, deren Mutter erst kürzlich starb, muss einfach wissen, was aus Marlene geworden ist. Schließlich könnte sie das letzte noch lebende Mitglied ihrer Familie sein. Kurzentschlossen reist sie nach Australien und lernt in Sydney den selbstbewussten Backpacker Adrian kennen. Schon bald knistert es zwischen den beiden. Doch ob Adrian wirklich der Richtige für sie ist und was vor langer Zeit mit Marlene geschah – das alles erfährt Mia erst am Ayers Rock. Im Schatten des Zauberbergs, dem magischen Mittelpunkt der Traumzeit, kommt die Wahrheit ans Licht.

Hier gibt’s exklusive Leseproben zu allen drei Orten (weitere Reisetipps könnt ihr im Anhang des Romans lesen):

Sydney

Wir spazierten am Opernhaus vorbei, das sich hell angestrahlt von dem dunklen Himmel abhob, und hatten die Restaurants des Hafens hinter uns gelassen. Rechter Hand lag nun nur noch der Botanische Garten vor uns. Mein Magen knurrte.
„Sag mal Adrian, könnten wir vielleicht erst irgendwo essen gehen und dann zu deiner Überraschung kommen? Ich habe echt Hunger …“
„Na, das hoffe ich doch. Unser Spezial-Restaurant ist nicht mehr weit entfernt. Nur noch ein paar Hundert Meter.“
Er lächelte in sich hinein und mir blieb nichts weiter übrig, als ihm zu folgen. Links von uns befand sich das Meer, rechts von uns der dämmrige Park. Ich fragte mich, wo hier ein Restaurant sein sollte. Schließlich erreichten wir einen großen Felsen, in den Stufen und eine Art Sitzbank eingehauen waren.
„So, da wären wir. Und wir haben Glück, die japanische Reisegruppe, die üblicherweise hier sitzt, ist weg.“ Adrian breitete die Arme aus und zeigte auf den Sandsteinfelsen, als befänden wir uns vor dem Gourmettempel von Paul Bocuse.
Ich schaute konsterniert auf den Stein. „Wirklich hübsch, Adrian. Aber hier scheint’s heute nichts zu essen zu geben …“
„Moment, Mademoiselle.“ Adrian befreite sich von seinem Riesenrucksack und holte eine Decke heraus, die er auf dem Felsen ausbreitete. „Darf ich bitten?“ Er wies mit der Hand auf den Platz und zauberte als Nächstes eine Flasche eisgekühlten Champagner hervor. Ich hielt die Luft an.
„Adrian, du bist ja verrückt. Was für eine tolle Idee!“
„So ausgefallen ist sie nun auch wieder nicht. Aber ich dachte, ins Restaurant kann ja jeder gehen.“
Während er sprach, packte er Sektgläser, zwei Teller, ein Baguette, Käse, Weintrauben, Parmaschinken, Oliven und Datteln im Speckmantel aus und platzierte alles auf dem Felsenstuhl. Zuletzt fischte er eine Kerze im Windlicht aus dem Rucksack und zündete sie an. „So, ich glaube, unser Picknick kann jetzt losgehen.“ Sprachlos sah ich zu, wie er unsere Gläser füllte und mir eines in die Hand drückte.
„Prost, Mia. Auf Sydney, die schönste Stadt der Welt, und darauf, dass wir einen unvergesslichen Tag in ihr verbringen durften.“
Ich schmolz dahin. Was für ein Romantiker! Im Film hätte ich die Szene vor meinen Augen für kitschig abgetan. Hier aber wollte ich einfach nur die Zeit anhalten. Vor uns glitzerte der Ozean rosafarben im Sonnenuntergang. Hinter uns spazierten Ibisse durch die Dämmerung des Royal Botanic Gardens. Die Luft duftete süß nach Rosen und nach und nach knipste Sydney seine Lichter in den Wolkenkratzern an. Wir aber saßen weit weg von den Geräuschen der Großstadt, tranken kühlen Champagner und lächelten uns über den Rand der Gläser hinweg an.

Perth

Je weiter wir in die Tiefen des riesigen Stadtparks vordrangen, umso mehr blieben das Rauschen des Verkehrs und der Lärm der Zivilisation zurück. Nur die Grillen zirpten und einige Krähen versuchten, sich gegenseitig mit ihren langgezogenen Schreien zu überbieten. Ein leichter Wind flüsterte in den Bäumen und verwandelte die hochsommerlichen Temperaturen in eine angenehme Begleitung.
Pauls seufzte. „Also gut, ihr habt ein Recht darauf, zu erfahren, was mit Marlene passiert ist. Ich fange einfach mal am Anfang an.“
Er sprach leise und wählte seine Worte mit Bedacht, während er behutsam einen Fuß vor den anderen setzte und dabei auf den Weg vor sich blickte. Paul erzählte die Geschichte meiner Großmutter. Und ich sah dabei in meinem Inneren das Bild einer jungen Frau, die an einem kalten, regnerischen Novembertag die Kaje von Bremerhaven entlang rannte, ein Baby an ihre Brust gepresst, das später meine Mutter wurde.
In den folgenden Minuten erfuhren wir, warum Marlene aus Deutschland geflohen war und wie sie mit allen Mitteln versucht hatte, ihr Kind zurückzubekommen. Einmal machte Paul eine Pause und blieb stehen. Er wirkte müde und ich fragte ihn, ob er sich einen Moment lang auf eine Bank setzen wollte. Aber er schüttelte nur den Kopf, griff nach einem der Äste und riss ein Blatt ab. Dann zerrieb er es zwischen den Fingern und hielt mir die grüne Masse vors Gesicht. Sofort fuhr mir der aromatische Duft von Pfefferminze in die Nase. Paul lächelte. „Wir stehen direkt unter einem Pfefferminzbaum. Er dient den Menschen hier seit Jahrhunderten. Seine Rinde hilft, das Fieber zu senken, die jungen Triebe wirken antiseptisch, und manchmal wurden früher auch Speere aus ihnen gefertigt.“
In Adrian erwachte der Arzt und er stellte Paul diverse Fragen über die antiseptische Wirkung. Anstatt zuzuhören, dachte ich an meinen Großvater. In meiner Erinnerung war er ganz anders gewesen, als Elvira und Sabine ihn beschrieben hatten. Und erst recht nicht so, wie Paul ihn nun dargestellt hatte. Opa Kurt war immer für mich da gewesen. Er war mit mir zu allen Spielplätzen in der Umgebung gepilgert, hatte mir Märchen vorgelesen, wenn ich nicht einschlafen konnte. Später hatte er mir bei den Schulaufgaben geholfen, mich zu den Geburtstagen meiner Freundinnen chauffiert und mir Geld zugesteckt, damit ich mir etwas Schönes kaufen konnte.
Ich erinnerte mich daran, dass meine Mutter oft zu mir gesagt hatte, dass sie nicht gewusst hätte, wie sie mich ohne die Hilfe meines Großvaters hätte großziehen sollen. Ich konnte mich auch an keine einzige Situation entsinnen, bei der Opa Kurt gewalttätig geworden war. Sicher, er war immer ein Eigenbrötler gewesen, manchmal etwas mürrisch. Er war so gut wie nie ausgegangen oder weiter weggefahren. Aber trotzdem, ich hatte Opa Kurt geliebt. Und ich wusste, er hätte keiner Fliege etwas zuleide tun können.
Paul und Adrian philosophierten jetzt über die Heilwirkungen diverser Pflanzen und wie die Aborigines sie zu nutzen wussten. Aber ich wurde langsam ungeduldig, ich wollte wissen, wie Marlenes Geschichte weiterging. Und vor allem: ob sie noch lebte.
„Was ist am Ayers Rock passiert?

Ayers Rock (Uluru)

„Guten Morgen“, wisperte Marlene. Sie drückte Bob ihre Ausrüstung in die Hand und stieg in den Wagen. Langsam glitt der Land Rover vom Parkplatz. Bob ließ seine Augen umherschweifen und beschleunigte etwas. „Wir müssen vorsichtig fahren. Um diese Zeit sind jede Menge Kängurus unterwegs. Die möchte ich nicht auf der Kühlerhaube haben.“
Marlene hatte den Blick fest auf das Morgenrot gerichtet. Es erhellte nun einen größeren Teil des Himmels. All ihre Sehnsüchte schienen mit der leuchtenden Kraft am Himmel zu verschmelzen. Sie hatte die Zeit zwischen Tag und Nacht schon immer als etwas ganz Besonderes empfunden. In Manly hatte sie oft auf dem Balkon gesessen und zugesehen, wie ein neuer Tag anbrach, um sich danach noch einmal für ein paar Minuten ins Bett zu legen und an Paul zu kuscheln. Plötzlich vermisste sie ihren Mann schmerzlich. Sie wünschte, er könnte den Sonnenaufgang hier mit ihr verbringen, Hand in Hand vor dem heiligen Berg.
„Werden wir rechtzeitig da sein?“
Bob nickte. „Auf jeden Fall, wir sind gleich schon da.“ Minuten später bog er auf einen Parkplatz ab und holte zwei Klappstühle aus dem Land Rover. Kein Mensch war um diese Zeit hier unterwegs. Mit einem Seufzer ließ sich Marlene auf den Stuhl sinken und sah in den Himmel. Über ihr funkelten noch die Sterne. Vor ihr zeichneten sich die Umrisse des Uluru in der Dunkelheit ab. Die Sonne würde hinter dem Berg aufgehen. Marlene hielt ihre Kamera bereit.
„Danke, Bob“, flüsterte sie. Es kam ihr ungehörig vor, den Zauber des Augenblicks durch lautes Sprechen zu zerstören. Der Gesang der Zikaden war genau die richtige Hintergrundmusik für dieses Erlebnis.
Das erste Morgenlicht tauchte den riesigen Sandstein in weiches Orange, bis der ganze Berg von der Sonne erfasst wurde und glutrot zu leuchten begann. Marlene vergaß fast, auf den Auslöser zu drücken, so sehr bewegte sie das Schauspiel vor ihren Augen. „Es ist einfach wunderschön“, flüsterte sie. Bob, der den Sonnenaufgang an dieser Stelle bestimmt schon unzählige Male gesehen hatte, nickte andächtig. „Sie können es spüren, Mrs. Bewlock, das können nur wenige weiße Menschen. Dieser Berg ist heilig. Unsere Ahnen haben ihn geformt und leben noch immer darin.“

Wo ist das Buch erhältlich?

Im Schatten des Zauberbergs: Hier könnt ihr das Buch bestellen (E-Book 3,99 €, Taschenbuch 9,99 €, kostenlos mit kindle unlimited).

Wir haben bereits früher schon Bücher von Susan de Winter vorgestellt. Schau dir jetzt auch den Blogpost zu ihrem vorherigen Buch „Der Stein der Schildkröte“ und „Das Geheimnis der Traumzeit“ an.

Text und Bild: Susan de Winter

Infos zur Autorin: Die Reisejournalistin und Bloggerin Susanne Müller ist ein absoluter Australien-Fan und Teil des Australien-Blogger Autoren-Boards.

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