Hilfe, mein Sohn will nach Australien auswandern!

31.10.2011 Autor: - in Auswandern, Top - 3 Kommentare

Marlene schreibt:

Hallo Kai,

Mein „Problem“ ist folgendes: Mein Sohn möchte mit seiner australischen Freundin (sie leben beide hier in Deutschland zusammen) in ein paar Jahren nach Australien ziehen. (…)

Er will Anfang nächsten Jahres für ein paar Wochen runterfliegen und sich alles erstmal anschauen.

Da man ihm schon seit einiger Zeit erzählt er würde dort ohne Probleme eine gute Arbeitsstelle bekommen, ist er natürlich mehr als Feuer und Flamme dorthin auszuwandern. (…) Ob das alles so ist?

Ich würde nun sehr gerne wissen wie Sie seine Chancen dort einschätzen würden, bzw. worauf soll er bei seinem Urlaub besonders achten, damit er einen realistischen Eindruck bekommt?

Ich hoffe doch sehr, dass Sie mir den einen oder anderen Tipp geben können.

Auswandern aus Deutschland: ein großer Schritt, aber machbar

Liebe Marlene,

ich kann deine Sorgen und Ängste verstehen, aber sei beruhigt. Prinzipiell ist sein Plan meines Erachtens sehr gut: erstmal nur „reinschnuppern“ und dann später den Sprung wagen.

Das Wichtigste für ihn ist herauszufinden, ob er mit dem australischen Leben gut zurecht kommt und sich dort mit seiner Freundin wohl fühlt. Um Australier und den dortigen Lebensstil zu verstehen, dauert es aber mehr als nur ein paar Wochen. Zu Beginn sieht man oft alles durch die rosarote Brille eines Urlaubers, auch wenn man nicht unbedingt zum Urlaub machen dort ist. Erst dann, wenn sich ein wenig der Alltag eingespielt hat, weiss man, ob das Leben dort zu einem passt oder nicht. Natürlich muss man irgendwo anfangen, daher ist ein 3-wöchiger „Urlaub“ mal keine schlechte Idee.

Wenn es ihm dort gefällt (was zu 90% sicher ist), sollte er sich vielleicht im nächsten Schritt ein Working Holiday Visum besorgen, mit dem er mindestens mal 3-6 Monate im Land bleiben und auch mal arbeiten soll (maximal geht das für 12 Monate mit diesem Visum). Dann hat er Zeit sich auch mal um eine Wohnung zu kümmern (was momentan nicht ganz so einfach ist), sich den Jobmarkt genauer anzuschauen und sich ein klein wenig „niederzulassen“.

Wenn er denkt, dass Australien immer noch zu ihm passt, kann er entweder vor Ort oder nach einem letzten Besuch in Deutschland dann den Schritt der Auswanderung wagen. Je nachdem was er genau tun möchte, braucht er einen Arbeitgeber oder könnte es unter Umständen auch über seine Freundin schaffen ein Visum zu erlangen. Da das Thema „Dauervisum“ aber nicht so einfach ist, sollte er sich schon früh genug mit einem Migration Agent in Verbindung setzen, damit er von Anfang an alles richtig dokumentiert und vorbereitet.

Er will es vielleicht nicht hören, aber er sollte sich auch überlegen, ob er sich ein Leben in Australien ohne seine Freundin vorstellen könnte. Wenn so eine Beziehung in die Brüche geht, fragt man sich früher oder später immer, ob man für sich selbst oder für eine andere Person ausgewandert ist. Wenn man sich vorstellen kann, auch ohne den Partner sein Glück in der neuen Heimat finden zu können, steht man emotional auf sichereren Beinen.

Ich kenne mich mit der Situation auf dem Jobmarkt (gerade für Einwanderer) nicht sehr gut aus. Ingenieure und Maschinenbauer sind—so weit ich weiss—in der Tat momentan gefragt. Wie das in 2-3 Jahren aussieht, weiss man nicht. Bei genau solchen Fragen kann ein Migration Agent aushelfen.

Wie du dir vorstellen kannst, verschlingt so ein Vorhaben schon einiges an Geld, Zeit und Nerven. Man muss aber auch sagen, dass man sich vorher nicht zu viele Gedanken machen sollte. Es gilt vor allem die deutschen Sorgen und Ängste zu Hause zu lassen. Die Tatsache, dass man einige Monate oder gar Jahre zwischen verschiedenen Arbeitgebern, Jobs und Wohnungen hin und her wechselt, verursacht bei vielen Deutschen Bauchschmerzen. („Wie sieht das bloss auf meinem Lebenslauf aus?“) Die Australier sind weniger auf einen lückenlosen Lebenslauf aus, als auf eine kompetente, zuverlässige und freundliche Arbeitskraft, die sich gut in das Umfeld integrieren kann. So sehr die deutsche Genauigkeit und Strebsamkeit im Beruf geschätzt wird, desto mehr sollte man sie im australischen Privatleben zurückschrauben.

Dein Sohn wird Tage haben, an denen er seine Entscheidung nach Australien zu gehen in Frage stellt. Er wird viele kulturelle Dinge von Deutschland und Europa vermissen und frustriert sein, wenn die bürokratischen Mühlen langsamer mahlen, als er das gerne hätte. Auf der anderen Seite wird er viele Dinge an Australien vermissen, wenn er mal wieder nach Deutschland zu Besuch kommt. Auswanderer (egal von welchem Herkunftsland) leben immer irgendwo zwischen den Kulturen, das lässt sich in meinen Augen nicht vermeiden.

Man muss heute das Thema Auswandern aber nicht mehr ganz so schwarz und weiß sehen, wie das früher der Fall war. Dank Skype, Facebook und halbwegs erschwinglichen Flugpreisen lässt es sich problemlos einrichten, dass man mit Familie und Freunde in Kontakt bleibt. Ich versuche alle 12–18 Monate in Deutschland vorbeizuschauen und tue dies sehr gerne. Das Gras ist bekanntlich immer grüner auf der anderen Seite—das gilt auch für’s Auswandern.

Für dich persönlich würde ich empfehlen das Ganze erstmal stressfrei zu beobachten. Sei stolz auf deinen Sohn, dass er sich von der Größe des Vorhabens nicht einschüchtern lässt. Wie und ob er auswandert, wird sich über die nächsten Monate und Jahre von ganz alleine entscheiden. Du hast darauf wenig Einfluss. Indem du mich angeschrieben und du im Internet nach Infos recherchiert hast, zeigst du ihm, dass du dir deine eigenen Gedanken darüber machst und Fakten sammelst. Nur so kannst du ihn unterstützen oder auch mal warnen, wenn er etwas irrationales vorhat. Sei positiv und nicht all zu besorgt. Besonders nicht zu diesem Zeitpunkt, wo alles erstmal noch recht weit entfernt ist.

Bei meiner Mutter hat es auch einige Zeit gedauert, bis die Tatsache, dass ihr Sohn nun in Australien lebt, angekommen ist. Heute rede ich fast öfter mit ihr (über Skype und per Email) als mein Bruder, der nur 30 Minuten entfernt wohnt. Ausserdem ist meine Mutter ebenfalls ein Australien-Fan geworden und kann es kaum abwarten, mich mal wieder hier in Melbourne besuchen zu können.  :)

    

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Kommentare (+)

Betocool schrieb am 01.11.2011:

Hi! Meine Frau und ich haben mit den Formalitäten zur Auswanderung angefangen. Wir wollen, wenn alles gut klappt ca. Januar 2013 auswandern.
Immehin fand ich den Beitrag Klasse, wir haben die Idee an unsere Geschwister / Schwäger erzählt, und man bekommt sehr verschiedene Reaktionen, von „Was wollt Ihr in Australien?“ bis „Prima, gute Idee!“.
Wir wissen sehr wohl dass das alles etwas Riskant ist, wir waren noch nie da, aber ein längeres Urlaub kommt z.Zt. nicht in Frage, und wir spielen seit längerem mit dem Gedanke.
Mal schauen, ich bin gespannt wie unsere Eltern reagieren wenn wir es denen erzählen.
Übrigens, klasse Website!
Schöne Grüße!

Jules schrieb am 02.11.2011:

Hey,
mir gefällt die Anregung erst einmal ein Jahr W&T „zum schnuppern“ zu nutzen. Ein paar Wochen Urlaub würden mir nicht reichen. AU macht viele süchtig, aber als Urlauber und Backpacker sieht man nur die Oberfläche.
Ich bin ab 2.12 auch wieder da (mit der rosanen Brille) und freue mich auf ein Jahr treiben lassen. Ich liebe Australien, genieße die Zeit dort sehr, aber Auswandern.. Das sollte keine spontan, romantische Aktion sein. Alltag in Australien, den muss man wohl auch aushalten können.
Wenn er noch nie dort war, dann ist W&T ein guter Zeitraum, um zu sehen wie er mit seiner Freundin den Alltag bewältigt.
lg

Florian schrieb am 11.11.2011:

Servus Kai. Sehr schön geschrieben. Besser hätte ich es wohl auch nicht ausdrücken könne.
Ich war mit meiner Freundin (obwohl wir erst zwei oder drei Monate zusammen waren) nach Australien gegangen. Zwar nur für ein halbes Jahr (Auslandssemester), aber es war genial. Entgegen deiner Meinung kann ich sagen, dass solche „Reisen“ oder eben neue „Lebensabschnitte“ extrem zusammen schweißen können… :-) Bei uns war das jedenfalls so und ich möchte diese Zeit nicht missen.
Australien war einfach großartig. Wir spekulieren tatsächlich auch, ob wir nicht dorthin auswandern wollen… Man wird sehen.

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