Im Interview: Australien-Auswanderer Andreas Schaaf

06.01.2009 Autor: - in Auswandern, Interviews, Top - ein Kommentar

1.) Stelle dich doch bitte kurz vor:

Mein Name ist Andreas Schaaf. Ich habe 1967 in Wiesbaden das Licht der Welt erblickt und bin in der Umgebung (Taunusstein) aufgewachsen. Zum Studium verschlug es mich nach Mannheim, wo ich 1993 abschloss. Dort blieb ich dann noch bis 1999 wohnen, während ich als Berater in Deutschland umherreiste.

2.) Wann bist du nach Australien ausgewandert und was waren deine Beweggruende?

In 1999 ergab sich eine Möglichkeit, für 12 bis 18 Monate nach Sydney zu ziehen – der Plan war, danach wieder nach Deutschland zurückzukehren. Doch ist aus der Rückkehr bislang nichts geworden.

Andreas vor der Harbour Bridge3.) Wo genau lebst du jetzt? Was machst du beruflich und wie sieht ein typischer Tag in Australien fuer dich aus?

Ich lebe ca. 15 km vom Stadtkern von Sydney entfernt in der Nähe eines der Nationalparks (Lane Cove National Park).
Seit 2002 arbeite ich für einen grossen amerikanischen IT Service Provider als Berater mit Spezialisierung auf Personalsysteme (PeopleSoft und SAP).
Seit 2002 arbeite ich ausserdem als ehrenamtlicher Vorstand an der German International School Sydney, einer von über 120 deutschen Auslandsschulen weltweit. Seit August 2008 ist die Schule in neue Gebäude in Terrey Hills gezogen und bietet den Schülern aus über 20 Ländern eine zweisprachige Ausbildung bis Klasse 12 (Abschluss mit dem International Baccalaureate).

4.) Koenntest du 3 wesentliche Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und dem Leben in Australien nennen?

Im Vergleich zum Einkommen ist das Leben in den Australischen Grossstädten, insbesondere Sydney, sehr teuer: die Lebenshaltungskosten sind in etwa vergleichbar (manches ist teurer, anderes ist billiger), aber die Einkommen zwischen 20% und 40% geringer als vergleichbare Stellen.

Australier sind im Vergleich zu Deutschen freundlicher, was insbesondere beim Einkaufen positiv auffällt (bzw. nachdem ich mich an den Umgang mit Kunden hier gewöhnt hatte, ist es mir in Deutschland negativ aufgefallen).

Verlässlichkeit, insbesondere bei Handwerkern, ist etwas, wo die Australier sicherlich von Deutschland etwas lernen können. Man muss froh sein, wenn ein Handwerker irgendwann an dem Tag auftaucht, für den er sich angekündigt hat und den Job zufriedenstellend erledigt.

Auf der einen Seite sind manche Dinge hier in Australien besser organisiert (mein Australischer Reisepass hat 5(!) Tage gebraucht von der Antragstellung bis zur Zustellung – und ich habe noch nicht ein Mal den teureren Expressantrag gestellt). Auf der anderen Seite besteht hier eine regelrechte Regelungswut.

Andreas beim Ausflug in Australien5.) Welche 3 Tipps wuerdest du einem Deutschen geben, der darueber nachdenkt nach Australien auszuwandern?

1) informieren
2) informieren
3) informieren

Über das Internet kann man heute so viel herausfinden (Lebenshaltungskosten, was kann ich an Einkommen erwarten, wird meine Berufsausbildung überhaupt anerkannt oder muss ich zusätzliche Qualifikationen erwerben) – da muss man sich dann schon fragen, wie es passieren kann, dass beispielsweise eine Familie mit 3 Kindern in Deutschland alles aufgibt, nach Australien zieht und dann erst feststellt, dass man entweder nur als Aushilfe arbeiten kann ($30000 im Jahr) oder erst mal ohne Einkommen dasteht, weil zusätzliche Qualifikationen benötigt werden.

Tips:
a) vorab die Anerkennung klären – geht in der Regel über die Organisation, in der Personen mit gleichem Berufsfeld zusammengeschlossen sind
b) mit einem finanziellen Polster kommen – kann man 3 Monate ohne Einkommen auskommen?

6.) In Australien ist sicherlich nicht nur alles Gold was glaenzt. Welche 3 Dinge vermisst du am meisten bzw. gehen dir in Australien auf den Wecker?

  1. die Arbeitseinstellung: mach ich es nicht heute, dann mach ich es morgen – das nervt, wenn man auf den Abschluss einer Arbeit wartet
  2. Australien ist soooooo weit weg von allem
  3. die Einstellung zur Umwelt: da ist Australien noch 20 Jahre hinterher…

7.) „In meinen Augen sind die Australier…“

Sehr freundlich!

8.) Ein australisches Wort oder eine Redewendung, das/die jeder wissen sollte:

Zeitangabe: wenn jemand an die Uhrzeit „ish“ anhängt (z.B. „sevenish“), dann ist damit „ungefähr“ gemeint, was in der Regel bedeuted, dass man erst 10 – 30 Minuten nach der Zeit eintrifft.

9.) Noch was zu sagen? Abschliessende Worte zu deinem neuen Leben…

Wouldn’t have it any other way 😉

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Kommentare (+)

Dirk schrieb am 30.11.2009:

Gute Darstellung – man muss hier (in Australien) massiv umdenken. Es ist extrem teuer – und der Begriff „Value for Money“ bestonders gern von Maklern verwendet – laesst das „No“ am Anfang vermissen. Es ist fuer fiele ein Schock, festzustellen, das die Mieten und Hauspreise extrem hoch im Verhaeltnis zu Deutschland sind und man hier mehr verdienen muss als im Deutschland.

Die Einstellung zur Natur ist eher – nicht vorhanden. Es wird immer mehr propagiert – seit Kevin Rudd Premierminister wurde – aber, die Australier reden oft mehr als wirklichen Aktionismus zu betreiben. Auch ein Unterschied zu Deutschland, wo die Menthalitaet ist, Probleme zu loesen. Mit dieser Menthalitaet kann man in Australien schnell anecken. Aenderungen oder Verbesserungen sieht man ungern – lehnt sie massiv ab.

Eine wesentliche Erfahrung, die fast alle machen, Vergleiche mit Europa oder Verbesserungsvorschlaege kommen sehr schlecht an. Australier moegen es ganz und gar nicht, wenn man ihnen sagt, das etwas in einem anderen Land besser ist oder besser gemacht werden koennte. Man kann sich viel verscherzen und fast jeder macht diese Erfahrung. Die rosarote Brille kommt hier besser an – auch wenn man sich oft sehr auf die Zunge beissen muss.

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