Australiens Dirty Little Secret: Flüchtlingslager

08.05.2011 Autor: - in Auswandern, Top - 6 Kommentare

Australien ist eine grosse Insel im Pazifik. Anders als europäische Länder hat Australien keine direkte Grenzen zu anderen Ländern, dafür aber 34.000 km Küstenlinie. Für illegale Einwanderer und Flüchtlinge, die aus ärmeren Ländern in Asien, Afrika und vom mittleren Osten kommen, hat das den Vorteil, dass, wenn man sich einen Bootstransfer leisten kann, die Einreise recht unbeobachtet und problemlos geschieht. Oder doch nicht?

Australien hat ein schmutziges kleines Geheimnis von dem viele Besucher und Neuankömmlinge nichts wissen: Immigration Detention Centers.

Australien’s Militärboote und seine asiatischen Verbündeten fangen im Pazifikraum und kurz vor Australien’s Küste regelmäßig Boote mit Flüchtlingen und anderen Menschen ab, die sich hier ein besseres Leben ohne Verfolgung, Gewalt und Armut ersehnen. Nach dem Abfangen dieser Boote werden die Menschen in sogenannte Immigration Detention Centers gesperrt, wo festgestellt werden soll, warum und woher genau sie gekommen sind, und ob ein Anrecht darauf besteht, ihnen ein ständiges Aufenthaltsrecht auszuteilen.

Es gibt momentan 9 dieser Detention Center, wobei sich eines der größten dieser Flüchtlingslager, die einem Gefängnis verdächtig ähnlich sehen, auf der Christmas Island befindet. Christmas Island gehört zwar zu Australien, ist aber nur ein Territorium. Dies bedeutet, dass dort teilweise andere rechtliche Verhältnisse als auf dem Festland Australiens herrschen. Wer jetzt an die USA und Guantanamo Bay denkt, liegt nicht ganz falsch: die australische Regierung hat unter der Howard Regierung ein Gesetz erlassen, dass Christmas Island von der Migrationszone Australiens ausschliesst.

Wenn Kriegsflüchtlinge oder andere Menschen, die in ihrem Land verfolgt werden, illegal in Australien ankommen, muss das Land – gemäß nationalem Einwanderungsrecht und internationalem Völkerrecht – diesen Menschen unter „Refugee status“ temporär die Einreise gewähren. In vielen Fällen werden aus diesen Flüchtlingen dann auch permanente Einwohner und Bürger Australiens.

Nicht so auf Christmas Island. Da diese Insel nicht (mehr) der Migrationszone zugehörig ist, kann Australien dort stationierte Flüchtlinge nach eigenem Ermessen entweder an andere Länder wie Indonesien oder Papua Neuguinea abschieben oder in einen Flieger setzen, der sie wieder zurück ins eigene Land bringt. Es ist also kein Wunder, dass die australische Regierung quasi alle Bootsneuankömmlinge direkt zum Detention Center auf Christmas Island bringen lässt und deshalb diese Anstalt weit über der geplanten Aufnahmefähigkeit liegt (ca. ein Drittel aller Menschen in Flüchtlingslagern sind derzeit auf Christmas Island (Quelle))

Mit den endlos überfüllten ‚Lagern‘ entstehen ernsthafte weitere Probleme, die von vielen Politikern und Menschenrechtsorganisationen als „unmenschlich, unfair und ineffektiv“ beschrieben werden. Unter den derzeit knapp 7000 eingesperrten Menschen, befinden sich auch ca. 800 Kinder, die in gefängnisähnlichen Umständen ihre Zeit absitzen müssen. Da die australische Regierung immer noch keine effektive Art und Weise  gefunden hat, wie die Abwicklung der Neuankömmlinge verbessert werden kann, verweilen die Menschen im Schnitt zwischen 2-3 Jahre hinter Gittern und erhalten erst dann ein Urteil über ihre Zukunft, das in den vielen Fällen eine Abschiebung zur Folge hat.

Man kann es den Menschen in den Flüchtlingslagern kaum übelnehmen, wenn sie ihrer Frustration über die Umstände und die bürokratische Untätigkeit durch Demos, Aufstände und Revolten in den Lagern zum Ausdruck bringen:

Zu einem traurigen Höhepunkt von Australiens gescheitertem Umgang mit illegalen Einwanderern kam es kürzlich, als ein Waisenkind, das bei einem dramatischen Bootsunglück vor der Küste von Christmas Island seine Eltern verloren hatte, per Flieger nach Sydney geschickt wurde, um die Beerdigung seiner Familie zu bezeugen, nur um dann einige Stunden später wieder in das Flüchtlingslanger gesperrt zu werden, wo es nun auf sein Schicksal wartet.

Illegale Einwanderung ist ein schwieriges und komplexes Problem. Eine einfache Lösung, die jeden zufrieden stellt und keine Nachteile bringt, gibt es hier sicherlich nicht. Jedoch ist die derzeitige Doppelmoral von Australien und der inhumane Umgang mit Menschen, die großteils bereits mehr als genug Elend und Hass erlebt haben, in meinen Augen inakzeptabel und beschämend. Es ist besonders bedrückend, wenn man bedenkt, wie wohlhabend, gross und kulturell vielseitig Australien ist und es anscheinend trotzdem kein Platz (geografisch, ideologisch und rechtlich) für Menschen in echter Not gibt.

Ein informativer, aktueller Artikel zum Thema: Our chaotic asylum policy is an international embarrassment

    

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Kommentare (+)

Dorothée schrieb am 11.05.2011:

Hi Kai

mit dem Thema beschäftige ich mich intensiv. Toll, so was mal anzusprechen. Das Thema ist ja nicht gerade beliebt hier in Oztralien.

Im Juli 2010 lebten 4.110 Asylsuchende auf dem australischen Festland. Die Politiker stellen es jedoch gerne so dar, als würde Oztralien von illegalen Zuwanderern überrannt. Damit schüren sie die Angst vor den Asylsuchenden weiter und wollen sich höchstwahrscheinlich Wählerstimmen sichern. Im letzten Jahr wurde die Premierministerin von einem Journalisten gefragt, wie sie und Ihre Partei in Zukunft mit Asylsuchenden umgehen werden. Sie erwiderte, dass sie die Angst der Australier vor den Booten, die an Australiens Küsten unangemeldet ankommen, anerkennt. Sollte sie nicht mit einem guten Beispiel vorangehen? Sollte sie nicht intelligenter sein und wissen, dass Asylsuchende keine Gefahr für ein Land darstellen?

Schöne Grüße aus Melbourne!
Dorothée

Florian schrieb am 15.05.2011:

Sehr krass. Das wirft irgendwie ein schlechtes Licht über Australien und lässt wirklich an Guantanamo erinnern…

News zu Australien am 16.05.11 schrieb am 16.05.2011:

[…] der Seite australien-blogger.de fanden wir diesen Beitrag erwähnenswert: Australiens Dirty Little Secret: Flüchtlingslager : Der Australien … Dort heisst es: Australien ist eine grosse Insel im Pazifik. Anders als europäische […]

Laura Hagen schrieb am 18.07.2011:

Hi,
Ich musste 1963 mit meinen Eltern nach Melbourne auswandern. Ich wollte nicht und der Anfang in diesem fremden,heissen Land war damals brutal.Vielleicht nicht so brutal, wie es fuer die heutigen Fluechtlinge in den Lagern ist, trotzdem schlimm genug. Nach einigen Jahren habe ich gelernt, meine neue Heimat, mit ihrem einzigartigen Lebensstil zu lieben. Mein Leben war interessant und aufregend, dennoch habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, die seit Jahren versteckten Tatsachen ueber das Thema ‚Auswandern‘ in einem Buch festzuhalten. Es soll keine Verdammung sein, denn ich bin seit sehr vielen Jahren Australierin, vorruebergehend mal wieder in Deutschland. Nur, fuer jeden, der an eine Auswanderung denkt – erst genauestens informieren. Taeglich Nachrichten lesen z.B. http://www.news.com.au. Damit bekommt man einen guten Einblick in den taeglichen Lebensablauf. Urlaub ist nie wie das aktuelle Leben und auch in Australien ist laengst nicht alles Gold, das glaenzt!
Laura

Jens schrieb am 21.07.2011:

@florian: denke nicht, dass es jetzt ein schlechtes licht über australien abwirft. man muss auch einfach mal die schönen seiten des alndes sehen und die überwiegen ja meiner meinung nach sehr stark gegenüber den negativen daten.

Gast schrieb am 13.12.2011:

Das machen die Aussies genau richtig. Ich vermisse das in Europa. Wir haben hier viel zu viele Nichtskönner, die wir nicht mehr los werden. Und die unfähige Regierung ist nicht mal in der Lage, die Transferzahlungen einzustellen. Man sollte die Aussies als Vorbild nehmen und Bootsflüchtline nach GR schicken nachdem GT den Status von Christmas Island erhalten hat. Würde viele Probleme lösen!!

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