Australien-Auswanderer: Ich packe meinen Container und nehme mit….

24.03.2009 Autor: - in Auswandern, Sonstiges, Top - 10 Kommentare

Der Container wartet vor der TuerWenn man plant auszuwandern, dann stellt sich einem früher oder später die Frage, was man alles mitnehmen möchte. Reichen einige Kartons mit den persönlichsten Dingen oder passen die wichtigsten Besitztümer sogar in den Auswandererkoffer? Die Kartons könnte man mit der Post schicken lassen und den Koffer hätte man sogar gleich bei der Ankunft dabei.

In unserem Fall waren beiden Alternativen nicht zufriedenstellend, denn wir wollten mit mehr auswandern, als in ein paar Kartons oder Koffer passt. Wir wollten unseren gesamten Hausstand mitnehmen, sozusagen ALLES. Na ja, fast alles! Unsere Autos wurden verkauft. Die Waschmaschine hätte die Reise wegen Altersschwäche wohl nicht überlebt. Der Kühlschrank und der Fernseher waren zu transportempfindlich. Der erstere steht jetzt in der Küche meiner Mutter. Den Fernseher betrachten alltäglich viele Kinder, die den Rostocker Zoo besuchen, um Tierfilme und Dokumentationen anzuschauen.

Von den Auswanderer-Shows im Fernsehen wusste ich, dass man die Möbel im Container nach Australien verschiffen konnte – eine neue Projektidee war geboren. Zahlreiche Umzugsfirmen boten ihren Service an und auch bei einer Umzugsauktion habe ich mitgemacht. Ich rief einige der Firmen an und ließ mir Kostenvoranschläge für einen 20 Fuß Container schicken und war wirklich erstaunt, wie sich diese preislich unterschieden. Auf € 2500,- belief sich das günstigste Angebot, das teuerste lag so bei € 7000,-. Und dabei war es durchaus nicht der Fall, dass das teuerste Angebot ein Komplettangebot von Tür zu Tür war, bei dem der Transport zum Versandhafen, das Beladen, die Hafengebühren, die Seefracht, der Dieselzuschlag, der Währungszuschlag, die Quarantäne, die Zollabfertigung und der Transport zur neuen Wohnung mit einbegriffen war. Für das Verpacken der Möbel wollte eine Umzugsfirma sogar nochmal € 2000,- extra haben. Es war also nicht so einfach, eine Entscheidung zu treffen, zumal mein Mann schon in Australien war, um dort alles vorzubereiten. Außerdem war ich hochschwanger. Mittlerweile gibt es einen Full-Service Anbieter für Umzugscontainer nach Australien (Infos und unverbindliche Erstberatung: hier), der sich um den kompletten Prozess kümmert, also von der Abholung in Deutschland bis zur Anlieferung in Australien. Man bekommt schon vorab bei Anfrage einen Festpreis genannt, so dass es später keine bösen Überraschungen gibt. Von Verschiffung, über Quarantäne, Zoll bis zur Spedition in Australien, usw. wird sich gekümmert, so dass man insgesamt nur einen Ansprechpartner und 1 Rechnung hat, was die ganze Sache nun deutlich vereinfacht. Bei mir gab es dies leider nocht nicht :(

Moebel abbauen und in Pakete verpackenNach einigem Hin und Her entschied ich mich damals daher für eine Umzugsfirma, die unsere Möbel für € 4500,- nach Australien transportieren würde, allerdings ohne die Verpackung. Das nahm ich selbst in die Hand. Und so packte ich Tag für Tag meine Kartons, stapelte sie dort, wo ich mich am wenigsten aufhielt und vergaß auch das Beschriften nicht. Eigentlich war alles so, wie bei den anderen Umzügen davor auch. Bei genauerem Hinsehen gab es allerdings schon einige Unterschiede. Ich packte z.B. zerbrechliche Sachen besonders bruchsicher ein, d.h. ich wickelte sie nicht nur in Zeitungspapier, sondern isolierte den gesamten Karton mit Handtüchern und anderen Sachen und wickelte die Teile mehrmals ein. Ich verpackte Bücher und Anziehsachen wasserdicht, weil ich irgendwo gelesen hatte, dass so ein Container mehrere Liter Kondenswasser am Tag zieht und dass dadurch die Sachen feucht werden können. Ich informierte mich außerdem ausführlich über die Quarantänevorschriften für Australien. So musste ich mich aufgrund dessen von meinen geliebten Deko-Schoten und Baumrinden-Bilderrahmen trennen. Meine Grünpflanzen verschenkte ich an Freunde, die sich hoffentlich gut darum kümmern.

Den größten Aufwand jedoch betrieb ich mit den Möbeln. Ich zerlegte jeden Schrank, jedes Regal, jeden noch so kleinen Nachttisch in seine Einzelteile. Es war schon eine kleine logistische Herausforderung, den Überblick über zahllose Tüten mit Schrauben, einzelne Bretter, Türknaufe, Dübel, Werkzeug usw. zu behalten. Die Teile wurden dann in Wellpappe eingepackt, zugeklebt und ausführlichst beschriftet. Es musste ja schließlich alles in den Container passen.

Fünf Tage bevor unser Mietvertrag auslief, kam dann der Container und wurde professionell mit insgesamt 190 Umzugsteilen bestückt, dessen Inhalt genauestens auf einer Überseeliste festgehalten wurde. Unser gesamtes Hab und Gut, welches ich in mühevoller Kleinarbeit drei Monate lang verpackt hatte, war nun in drei Stunden im Container verstaut. Zu meiner großen Freude passte alles hinein. Der Container wurde versiegelt und abtransportiert. Mit meinem Baby im Arm sah ich ihm noch hinterher. Jetzt gab es kein Zurück mehr, die Auswanderung hatte offiziell begonnen. Es sollte ganze neun Wochen dauern, bis wir unsere Möbel in Australien in Empfang nehmen konnten.

Weiter zum 2. Teil gehts es hier…

    

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Kommentare (+)

Mario schrieb am 30.03.2009:

4500 € und dreimonatiges verpacken (!) hätte ich nicht investiert.
Hätte für die Kohle neue Möbel vor Ort gekauft.
Verstehe auch nicht warum fast jeder deutsche überlegt Waschmaschine, Kühlschrank und TV mitzunehmen. Gibts doch in AUS auch, und nicht alle sind schlecht. Ausserdem braucht man für die deutschen Geräte noch einen Adapter, denn sonst passen die Stecker ja nicht in die Steckdose. Naja, muss jeder für sich selbst entscheiden…..

Antje Reeves schrieb am 31.03.2009:

Hi Mario,
ich habe deshalb so lange mit dem Einpacken gebraucht, weil mein Mann zu diesem Zeitpunkt schon in Australien lebte und ich auch noch hochschwanger war. Außerdem hätte ich für 4500 € hier keinen ganzen Hausstand erwerben können. Wir haben bei uns im Haus drei Adapter im Umlauf…das reicht vollkommen aus. Unsere Möbel sind alle sehr hochwertig und uns allen gab es von Anfang an das Gefühl, zu Hause zu sein. Ich würde es immer wieder so machen!

K. Brach schrieb am 31.03.2009:

Da ich nur ein paar billige Ikea-Moebel besitze, wuerde sich das in meinem Fall auch nicht lohnen. Aber wenn jemand eine Familie hat und solide Moebel mit viel Erinnerung, haette ich es genauso gemacht. Elektro-Kram wuerde ich auch verkaufen und in Australien neukaufen. Es sei denn, man hat den Platz im Container sowieso…. :-) Danke fuer den Artikel Antje!

Soeren schrieb am 06.04.2009:

Hi Antje,
immer wieder spannend die Geschichten von anderen. Wir sind vor 3 Jahren nach Melbourne gekommen – ueber einen Firmenumzug. Es wurde alles bezahlt, komplett gepackt (40 Fuss Container), die Logistik wurde gemacht, etc. Wir haben alles wirklich alles mitgenommen (ausser Auto), inkl. TV, WaMa und Kuehlschrank.
Was mich interessiert: ist alles durch den Zoll gekommen und auch heil geblieben?
Gruss
Soeren

Antje Reeves schrieb am 21.04.2009:

Hi Sören,
danke für deinen Kommentar! Na da ist euch wirklich viel Arbeit abgenommen worden…das hätte ich auch gern gehabt!
Über den Zoll und die Ankunft hier werde ich in einem Folgeartikel noch berichten…also bleib´ gespannt!
Grüße Antje

Mausolff, Volker schrieb am 23.03.2010:

Hallo Antje, Hallo Craig
liebe Grüße aus Rostock senden Euch Ute und Mausi. Bin mit meiner Werkstatt und auch privat umgezogen. Hatte eine Menge zu tun , wollte den Kontakt aber immer aufrecht halten. Wäre schön wenn ich was von Euch hören würde!!!!!!!!!!
Liebe Grüße Mausi

maxi schrieb am 14.05.2010:

Hi Antje,
mit großem Interesse habe ich deine beiden Artikel zum Thema Umzug/Container gelesen. Folgende Frage die sich im Zusammenhang mit der Quarantäne für mich derzeit stellt ist diese: Gab es bei euch keine Probleme mit den Holzmöbeln? Auf dem Foto sind ja schön die Holz-Teile zu sehen. Ich mache mir hier ernsthaft Gedanken um unsere Ledercouch und deren Holzbeine und auch Bilder (Leinwände auf Keilrahmen aus Holz)… Lt. den Einfuhrbestimmungen sind ja alle tierischen Produkte (Ledersofa??), Holz und auch Dinge die mit Wasser oder Erde „konterminiert“ sein könnten potenziell was für die Quarantäne. Hat jemand Erfahrungen ein Wasserbett (natürlich geleerte Matratze) nach OZ umzuziehen? Gab es hierbei in der Quarantäne Probleme? Danke für jeden Tipp!!

VG maxi

Karin schrieb am 21.08.2010:

Hallo Antje, Hallo Maxi
da wir wahrscheinlich wenn alles glatt läuft im November / Dezember unseren Container lossenden war Dein Beitrag sehr hilfreich.
Die Frage von Maxi interessiert mich auch brennend. Kannst Du darüber Auskunft geben, oder Du Maxi, Hast Du darüber inzwischen mehr Infos?
VG Karin

Antje schrieb am 01.09.2010:

Hallo Maxi, Hallo Karin,
es freut mich sehr, dass ihr meine Artikel gelesen habt. Mit den Holzmöbeln gab es überhaupt keine Probleme, weil es sich um behandeltes (lackiertes/gebeiztes) Holz gehandelt hat. Ich denke mal, dass es mit eurer Ledercouch dann auch keine Probleme geben dürfte. Ich habe sogar meine Daunenkissen mitgenommen und die wurden auch nicht beanstandet….warum, weiß ich auch nicht, hab es einfach riskiert :-)
Ich würde das Wasserbett auf jeden Fall mitnehmen, wenn es dir wichtig ist. Ich würde die einzelnen Teile getrennt, also in verschiedenen Kartons, verpacken und den Karton mit der Matratze nur als „Plastik-Matratze“ beschriften.
Ich hoffe, ich konnte euch helfen…jetzt, wo ich schon zwei Jahre hier bin, bin ich froh über jedes Teil, dass ich mitgebracht habe.
Viele Grüße Antje

Anja schrieb am 21.02.2017:

Hallo Antje,
habe gerade mit Freude deinen Beitrag gelesen.
Seid ihr immer noch in Sydney? Bin auch gerade hier und möchte meine Sachen hierher verschiffen lassen.

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