Ankommen braucht Zeit – Anfangs-Euphorie und Rückschläge

Paar kommt in Australien an
Ein weiterer Beitrag aus unserer Reihe „Tipps vom Diplom Psychologen!“ Zusammen mit Klemens Lühr (erfahrener Dipl. Psychologe) stellen wir auf Australien-Blogger verschiedene Tipps&Ratschläge für Australien-Auswanderer, Work&Traveller oder Auslandsstudenten vor.

Über die Anfangs-Euphorie und erste Rückschläge

Mit der Hoffnung, in der neuen Heimat das Glück zu finden, erleben manche Australien-Auswanderer oder Expats im ersten Jahr auch Enttäuschungen und Zweifel an der einst getroffenen Entscheidung. Der finnische Anthropologe Kalervo Oberg entwickelte in den 50er Jahren die Theorie, dass Menschen verschiedene Phasen durchleben, wenn sie in ein neues kulturelles Umfeld ziehen. Obwohl seine „Kulturschock-Theorie“ aufgrund eines sehr starren Kulturbegriffs auch kritisiert wird, kann sie als interessante Schablone für das Ankommen in einem fremden Land dienen. Nach Oberg kommt nach einer anfänglichen Phase der Euphorie, oft eine Krise, in der Auswanderer mit ihrer Entscheidung hadern und Enttäuschungen erleben. Aber auch diese Zeit geht vorbei. Erst viel später, nach einer langsamen Eingewöhnungszeit, kommt bei den meisten Menschen ein Gefühl des „Ankommens“ auf.

Was ist der Grund für diese Wandlungen: Mit dem ersten Tag in einem neuen Land, sei es nun Australien, oder auch woanders, entstehen neue Aufgaben. Wir lassen Gewohntes zurück und öffnen uns Neuem. Diese Erfahrungen können interessant und bereichernd sein, bedeuten aber meistens auch Stress und erfordern von uns eine enorme Anpassungsleistung. Wenn der Alltag in Australien einsetzt, fängst Du an, die Unterschiede zwischen deiner neuen Heimat und deiner alten Heimat auch kritisch zu sehen. Mit dieser Art von Entfremdung kann sich eine Sehnsucht nach zu Hause entwickeln, wo vieles besser und leichter war. Nach und nach meisterst Du jedoch den Alltag in der neuen Umgebung. Du entwickelst ein Verständnis für die neuen Anforderungen und erlebst, wie Du neue Stabilität und Sicherheit gewinnst. Möglicherweise entwickeln sich auch deine Englisch-Kenntnisse zunehmend schneller, und Kontakte mit den Australiern werden häufiger und intensiver.

Unsere Tipps für Anpassungsprobleme

Nimm Dir genügend Zeit: Wenn die Euphorie nach der Ankunft nachlässt oder sogar Zweifel an der Entscheidung nach Australien auszuwandern aufkommen, bleibe ruhig und setze Dich nicht zu sehr unter Druck. Oberg würde sagen: Wahrscheinlich kommen und gehen belastende Gefühle wieder. Sei geduldig und schaue ganz bewusst, wann und warum sich positivere Gedanken und Gefühle wiedereinstellen.

Nutze Deine bewährten Strategien: Wie hast Du es früher geschafft? Wahrscheinlich hast Du schon früher im Leben kleinere oder größere Krisen erlebt. Jeder Mensch hat ganz persönliche Strategien, schwierige Situationen zu bewältigen. Diese Frage, wie Du es früher aus der Krise geschafft hast, kann helfen, sich auf bewährte Bewältigungsstrategien zu besinnen. Auch jetzt kann Dir vielleicht auch das weiterhelfen, was Du bereits früher erfolgreich angewendet hast. Probiere es mal aus!

Nutze Menschen, die Dir nahestehen: Offene Gespräche über Deine Gefühle mit Familie und Freunde kann Deine Perspektiven erweitern und neue Hoffnung wachsen lassen (z.B. per Skype mit der Familie zu Hause). Dabei ist es hilfreich, wenn Du unterschiedliche Sichtweisen aktiv erfragst. Vielleicht ist Dein Partner in der jetzigen Situation ganz zufrieden, obwohl Du Dich unwohl fühlst. Oder haben sich Deine Kinder im neuen Umfeld schneller eingelebt, als Du selbst? Welche Erklärungen findest Du für diese Unterschiede. Im gemeinsamen Gespräch kannst Du mehr erfahren, welche Bedürfnisse Du hast bzw. was Du brauchst, um sich in Australien wohlzufühlen.

Wenn Selbstzweifel, eine niedergeschlagene Stimmung oder Konflikte über mehrere Wochen und Monate andauern, ist es empfehlenswert, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Häufig können in persönlichen Beratungsgesprächen wieder Lösungen gefunden werden. Bei einem großen Leidensdruck könntest Du einen Arzt oder einen Psychologen aufsuchen. Hier kann abgeklärt werden, ob vielleicht eine depressive Phase dahintersteckt. Unter Umständen sollte auch die Frage erneut geklärt werden, in welchem Land man wirklich leben möchte.

Australien-Blogger Gast-Autoren:

Nora Thiemann und Klemens Lühr sind Diplom-Psychologen und Gründer von Psychologen-Online.


Bild: CC0 Public Domain

    

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